RUTH MARTEN – „I DON’T WANT TO DREAM ALONE.“

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Kleine, fein ausgearbeitete und zarte Collagen. Diese lässt Ruth Marten durch Übermalen, Erweitern und Kolorieren entstehen. Dabei wirken sie leicht und einnehmend. Die erste Retrospektive „Dreamlover“ der 70jährigen amerikanischen Künstlerin Ruth Marten im Max Ernst Museum in Brühl zeigt ihr umfangreiches Schaffen von Beginn bis heute, Collagen, Malerei und Skulptur. Zu sehen vom 14. Oktober 2018 bis zum 24. Februar 2019.

„Wir leben in einer stürmischen Collage, die sich ständig verändert.“

Ruth Martens Karriere ist recht ungewöhnlich und vielseitig. Sie begann als Tätowierkünstlerin in den 1970er Jahren in New York, arbeitete für viele renommierte Magazine und Verlage als Illustratorin und ist heute freischaffende Künstlerin. Anfang der 2000er Jahre begann sie mit ihrer heute bekannten Arbeitsweise, sie begann kleine Graphiken, Stiche, Lithografien, Radierungen und Illustrationen aus Büchern des 18. Und 19. Jahrhunderts beispielsweise auf Flohmärkten zu kaufen und zu collagieren. Sie ergänzte diese zeichnerisch oder fügte Farben hinzu, so dass ganz neue kleine Werke entstanden, die eine alte, traditionelle und eine neue, zeitgenössische Note enthalten. Alt und Neu miteinander verknüpft im Hier und Jetzt. Marten macht dies mit einer bestechenden Detailversessenheit. Dabei aber erkennt der Betrachter oft nicht, wo die Veränderungen beginnen und wo sie wieder aufhören. Ein genauer und naher Blick ist nötig um das Neue wahrzunehmen. 

Themen aus der Zoologie, der Mode, des Zeitgeschehens dieser Zeit, greift sie dabei auf und verwandelt diese in aktuelle Motive und so in neue Sichtweisen. Waren diese vielleicht bereits im Unterbewusstsein vorhanden? Hierbei lädt sie die Motive mit neuen Konnotationen auf, mit sexueller Energie, lyrisch oder gar verspielt kommen die neuen Werke daher.  

„Die bekannte Vergangenheit gibt uns ein sichereres Gefühl als die unbekannte Zukunft, daran besteht kaum Zweifel. Vielleicht sehne ich mich ja nach der Kameradschaft, die all diese Künstler, Illustratoren, Landkartenzeichner und Sozialsatiriker, deren lebhafte Visualisierungen diese alten Seiten schmücken, mir anbieten. Ich gebe auch zu, ein schwerer Fall von Max-Ernst-Neid zu sein (wer ist das nicht?!), obwohl ich Materialien aus dem 18. Jahrhundert ausgesucht habe. Mich beeindrucken ihr Eifer und ihre Sehnsucht, die ihnen bekannte Welt zu definieren.“, so Ruth Marten.

Das Max Ernst Museum in Brühl zeigt nun eine umfangreiche Ausstellung, die Martens Werk von damals bis heute genauestens beleuchtet. Mit viel Witz, Ironie und Heiterkeit begegnet dem Betrachter die New Yorker Künstlerin, die schon so viel erlebt hat, fast fünf Jahrzehnte Kreativität und künstlerische Entwicklung. Ruth Marten steht in der Tradition Max Ernsts und so liegt diese Retrospektive in diesem kleinen, aber äußerst sehenswerten Museum auch nahe.

„Vor diesen Collagen war ich 17 Jahre lang damit beschäftigt, Haar darzustellen, und zwar aus allen möglichen Perspektiven. Die Arbeit ändert sich vielleicht, nicht aber die Verbissenheit/Besessenheit. Das Zeichnen ist die Leidenschaft, die hinter allem steht. Was mich interessiert, ist vor allem das „was“ und das „wie“.“ (Ruth Marten)

Der Künstlerin ist das Gefühl wichtig, dass sich einstellt, wenn sie ein Bild, eine Grafik findet, erst dann kann sie dieses Bildchen bearbeiten. Und auch nur so erzeugt sich ein Gefühl beim Betrachter. Viele Künstler unterschätzen das Gefühl, das Farben und Formen in der Kunst vermitteln und erzeugen können und berufen sich lediglich auf die Technik. Dies war schon im 19. Jahrhundert unter den Künstlern, gerade in Frankreich, eine weitreichende Diskussion. 

Martens Möglichkeiten Bilder, Vorlagen und Motive zu finden, sind keine Grenzen gesetzt. Dabei schöpft sie aus einem Vorrat an bereits vorhandenen Drucken. Sie verbindet so auch die Kunstgeschichte dieser Zeit, genauer des 18. Und 19. Jahrhunderts, mit dem heute, mit der zeitgenössischen Kunst. So schafft sie im Grunde ein neues Feld der Kunst, fernab der digitalen Medien. Ruth Marten kehrt zu den intellektuellen Wurzeln der Kunst zurück und erfindet sie dabei neu. 

Ihre Arbeiten erlauben es verschiedene Welten miteinander zu verknüpfen. Fabelwesen und bunte Tiere entführen in eine Märchenwelt, dennoch reflektieren die Grafiken eine alte und auch eine neue Welt und Zeit, auch ein Zeitgeschehen oder eine Mode. Fantasie, Altes und Neues, Vergangenheit und Gegenwart, treffen aufeinander und gestalten so eine andere Perspektive, auf uns, auf die Welt, auf das, was uns umgibt.

Die Ausstellung zeigt nahezu das gesamte Schaffen Ruth Martens und so einen weitreichenden Überblick. Die frühen Malereien mit dem Thema Haare bilden den Rahmen und leiten über zu den kleinen feinen Drucken, die Marten bearbeitet hat. Die Collagen sind fein ausgearbeitet, mit Liebe zum Detail. Es entsteht so im großen Ganzen eine Welt voll Anmut. 

Ruth Marten, Fountains & Alligators, #2 (Springbrunnen & Alligatoren, Nr. 2), 2015, Tuscheund Aquarell auf Papier, Sammlung Gail Skoff, Berkeley, Kalifornien © 2018 Ruth Marten
Ruth Marten, Fountains & Alligators, #2 (Springbrunnen & Alligatoren, Nr. 2), 2015, Tuscheund Aquarell auf Papier, Sammlung Gail Skoff, Berkeley, Kalifornien © 2018 Ruth Marten
Ruth Marten, Canapés II (Häppchen II), 2018, Aquarell und Collage auf Druck des 18. Jahrhunderts, Sammlung der Künstlerin © 2018 Ruth Marten

Categories: Allgemein

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