Monat: Juli 2019

RUTH MARTEN – „I DON’T WANT TO DREAM ALONE.“

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Kleine, fein ausgearbeitete und zarte Collagen. Diese lässt Ruth Marten durch Übermalen, Erweitern und Kolorieren entstehen. Dabei wirken sie leicht und einnehmend. Die erste Retrospektive „Dreamlover“ der 70jährigen amerikanischen Künstlerin Ruth Marten im Max Ernst Museum in Brühl zeigt ihr umfangreiches Schaffen von Beginn bis heute, Collagen, Malerei und Skulptur. Zu sehen vom 14. Oktober 2018 bis zum 24. Februar 2019.

„Wir leben in einer stürmischen Collage, die sich ständig verändert.“

Ruth Martens Karriere ist recht ungewöhnlich und vielseitig. Sie begann als Tätowierkünstlerin in den 1970er Jahren in New York, arbeitete für viele renommierte Magazine und Verlage als Illustratorin und ist heute freischaffende Künstlerin. Anfang der 2000er Jahre begann sie mit ihrer heute bekannten Arbeitsweise, sie begann kleine Graphiken, Stiche, Lithografien, Radierungen und Illustrationen aus Büchern des 18. Und 19. Jahrhunderts beispielsweise auf Flohmärkten zu kaufen und zu collagieren. Sie ergänzte diese zeichnerisch oder fügte Farben hinzu, so dass ganz neue kleine Werke entstanden, die eine alte, traditionelle und eine neue, zeitgenössische Note enthalten. Alt und Neu miteinander verknüpft im Hier und Jetzt. Marten macht dies mit einer bestechenden Detailversessenheit. Dabei aber erkennt der Betrachter oft nicht, wo die Veränderungen beginnen und wo sie wieder aufhören. Ein genauer und naher Blick ist nötig um das Neue wahrzunehmen. 

Themen aus der Zoologie, der Mode, des Zeitgeschehens dieser Zeit, greift sie dabei auf und verwandelt diese in aktuelle Motive und so in neue Sichtweisen. Waren diese vielleicht bereits im Unterbewusstsein vorhanden? Hierbei lädt sie die Motive mit neuen Konnotationen auf, mit sexueller Energie, lyrisch oder gar verspielt kommen die neuen Werke daher.  

„Die bekannte Vergangenheit gibt uns ein sichereres Gefühl als die unbekannte Zukunft, daran besteht kaum Zweifel. Vielleicht sehne ich mich ja nach der Kameradschaft, die all diese Künstler, Illustratoren, Landkartenzeichner und Sozialsatiriker, deren lebhafte Visualisierungen diese alten Seiten schmücken, mir anbieten. Ich gebe auch zu, ein schwerer Fall von Max-Ernst-Neid zu sein (wer ist das nicht?!), obwohl ich Materialien aus dem 18. Jahrhundert ausgesucht habe. Mich beeindrucken ihr Eifer und ihre Sehnsucht, die ihnen bekannte Welt zu definieren.“, so Ruth Marten.

Das Max Ernst Museum in Brühl zeigt nun eine umfangreiche Ausstellung, die Martens Werk von damals bis heute genauestens beleuchtet. Mit viel Witz, Ironie und Heiterkeit begegnet dem Betrachter die New Yorker Künstlerin, die schon so viel erlebt hat, fast fünf Jahrzehnte Kreativität und künstlerische Entwicklung. Ruth Marten steht in der Tradition Max Ernsts und so liegt diese Retrospektive in diesem kleinen, aber äußerst sehenswerten Museum auch nahe.

„Vor diesen Collagen war ich 17 Jahre lang damit beschäftigt, Haar darzustellen, und zwar aus allen möglichen Perspektiven. Die Arbeit ändert sich vielleicht, nicht aber die Verbissenheit/Besessenheit. Das Zeichnen ist die Leidenschaft, die hinter allem steht. Was mich interessiert, ist vor allem das „was“ und das „wie“.“ (Ruth Marten)

Der Künstlerin ist das Gefühl wichtig, dass sich einstellt, wenn sie ein Bild, eine Grafik findet, erst dann kann sie dieses Bildchen bearbeiten. Und auch nur so erzeugt sich ein Gefühl beim Betrachter. Viele Künstler unterschätzen das Gefühl, das Farben und Formen in der Kunst vermitteln und erzeugen können und berufen sich lediglich auf die Technik. Dies war schon im 19. Jahrhundert unter den Künstlern, gerade in Frankreich, eine weitreichende Diskussion. 

Martens Möglichkeiten Bilder, Vorlagen und Motive zu finden, sind keine Grenzen gesetzt. Dabei schöpft sie aus einem Vorrat an bereits vorhandenen Drucken. Sie verbindet so auch die Kunstgeschichte dieser Zeit, genauer des 18. Und 19. Jahrhunderts, mit dem heute, mit der zeitgenössischen Kunst. So schafft sie im Grunde ein neues Feld der Kunst, fernab der digitalen Medien. Ruth Marten kehrt zu den intellektuellen Wurzeln der Kunst zurück und erfindet sie dabei neu. 

Ihre Arbeiten erlauben es verschiedene Welten miteinander zu verknüpfen. Fabelwesen und bunte Tiere entführen in eine Märchenwelt, dennoch reflektieren die Grafiken eine alte und auch eine neue Welt und Zeit, auch ein Zeitgeschehen oder eine Mode. Fantasie, Altes und Neues, Vergangenheit und Gegenwart, treffen aufeinander und gestalten so eine andere Perspektive, auf uns, auf die Welt, auf das, was uns umgibt.

Die Ausstellung zeigt nahezu das gesamte Schaffen Ruth Martens und so einen weitreichenden Überblick. Die frühen Malereien mit dem Thema Haare bilden den Rahmen und leiten über zu den kleinen feinen Drucken, die Marten bearbeitet hat. Die Collagen sind fein ausgearbeitet, mit Liebe zum Detail. Es entsteht so im großen Ganzen eine Welt voll Anmut. 

Ruth Marten, Fountains & Alligators, #2 (Springbrunnen & Alligatoren, Nr. 2), 2015, Tuscheund Aquarell auf Papier, Sammlung Gail Skoff, Berkeley, Kalifornien © 2018 Ruth Marten
Ruth Marten, Fountains & Alligators, #2 (Springbrunnen & Alligatoren, Nr. 2), 2015, Tuscheund Aquarell auf Papier, Sammlung Gail Skoff, Berkeley, Kalifornien © 2018 Ruth Marten
Ruth Marten, Canapés II (Häppchen II), 2018, Aquarell und Collage auf Druck des 18. Jahrhunderts, Sammlung der Künstlerin © 2018 Ruth Marten

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WAS IST DA LOS, JÜDISCHES MUSEUM?

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Jüdisches Museum Berlin. Photo© Jens Ziehe/Courtesy JMB.

Mit einem Tweet wies er sich laut öffentlicher Wahrnehmung als Antisemit und Befürworter der Israel-Boykott-Bewegung BDS aus, und vielleicht ist Peter Schäfer das absurderweise tatsächlich und hat deshalb am 14. Juni seinen Posten als Direktor des Jüdischen Museums in Berlin berechtigterweise aufgeben müssen. Vielleicht war sein Fehler aber auch nur, diskursaffin agieren und damit eine zeitgemäße Museumspraxis befördern zu wollen.

Der fragliche Tweet, den Schäfer unter dem offiziellen Museums-Account als #mustread absetzte, verlinkte auf einen Artikel in der taz, der über eine Stellungnahme gegen die BDS-Verurteilung durch den deutschen Bundestag berichtet.

Der Tweet selbst ist weder als antisemitisch noch als BDS-unterstützend zu lesen, sondern stimmt der Vermutung zu, dass eine BDS-Verurteilung durch den deutschen Bundestag das Problem des wachsenden Antisemitismus in Deutschland nicht lösen werde, was durchaus stimmen könnte, macht man es sich in Deutschland doch gern leicht damit, lieber schöne leuchtende Zeichen zu setzen als sich an die Wurzeln von Problemen zu machen, weil das Ausrupfen derselben halt Jahre dauert und voll mühsam ist und leider nicht so öffentlichkeitswirksam, weshalb der Antisemitismus ungestört weiter wuchern wird, obwohl nee, kann ja gar nicht sein, denn hey, die Politik hat ja richtig was getan dagegen mit ihrem Zeichensetzen!

Aber zurück zu Schäfers Tweet und der möglichen Absicht dahinter: Könnte es sein, dass der Museumsdirektor einfach nur aufzeigen wollte, dass die Dinge nicht immer so einfach schwarz-weiß sind, wie sie scheinen oder gern gesehen werden wollen? Ist er vielleicht einer von der Sorte, für die es zur Arbeit an und mit einem Museum gehört, Haltung zu zeigen, Fragen zu stellen, Reaktionen zu provozieren? Auch als Individuum, und damit auch mit Ecken, Kanten, Ambivalenz und nicht unbedingt nur als neutraler Verwalter eines institutionellen Programms? Findet er womöglich die BDS-Kampagne genauso fies, wie man sie finden sollte, wenn man noch alle Latten am Zaun hat, wollte aber einen Diskurs, womöglich einen kontrovers geführten stimulieren über den womöglich nicht ganz so erfolgversprechenden Versuch, Boykottforderer und Israelhasser durch „Verurteilung“ dazu zu bringen, keinen Boykott mehr zu fordern und Israel nicht mehr zu hassen? Wollte er, schluck, einen Diskurs, vielleicht sogar einen kontroversen stimulieren? Wollte er womöglich den Gegenstand seines Museums mit dem echten, wahren Leben da draußen verknüpfen?

Das geht natürlich gar nicht! Zumindest in Deutschland sollen Museen nämlich immer noch lieber still und bewahrend das Schöne, Gute und Richtige zeigen, anstatt sich im nicht immer ganz sauberen Gewusel der Realität zu verfangen. Deshalb heißt es in der offiziellen Pressemitteilungauch, Schäfer sei am 14. Juni diesen Jahres von seinem Posten zurückgetreten, „um weiteren Schaden vom Jüdischen Museum Berlin abzuwenden“. Oh Gott ja, nicht auszudenken, was für einen Schaden es anrichtet, wenn Menschen diskutieren, sich streiten, und wenn dabei nicht immer sofort ganz klar ist, auf welcher Seite jemand steht, wie soll dann das nett zahlende, aber in der Summe ja leider nicht besonders schlaue Publikum einordnen, womit es da zu tun hat! In der Erklärung heißt es abschließend: „Alle Verantwortlichen müssen dazu beitragen, dass sich das Jüdische Museum Berlin wieder auf seine inhaltlich wichtige Arbeit konzentrieren kann.“ Ja klar, bloß schnell wieder Ruhe reinbringen, nachher redet man noch über uns!

Dieser Fall ist gruselig. Nicht, weil ein Museumsdirektor seine Haltung zum Nahostkonflikt nicht klar und institutionskonform kommuniziert (ob er tatsächlich mit antisemitischen Strömungen sympathiert, ist durch nichts belegt, und aktuell gibt es einige Stimmen, die sich mit Schäfer solidarisieren). Sondern weil es keine Transparenz über den Vorgang gibt, weil es kein offizielles Statement von Schäfer selbst gibt (zum Fall selbst und den Vorwürfen gegen ihn äußerst er sich noch vor seiner offiziellen Hutnahme in diesem SPIEGEL-Interview), und vor allem weil der Umgang mit dem Fall zeigt, wie antiquiert und reaktionär die deutsche Kulturpolitik mit ihrer Infrastruktur umgeht, allen voran Frau Grütters mit ihrem sonnenköniglichen Gebaren.

Wenn wir keinen transparenten Diskurs um Inhalte und die Haltungen der diese Inhalte vermittelnden Personen in der Museumslandschaft führen können, dann müssen wir uns nicht wundern, wenn Kunst in diesem Land keine gesellschaftlichen Impulse setzt.

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Was beobachtet Dalis „Woman at the window“ wirklich?

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Nachdem ich in der letzten Stunde mit den Schülern GIMP Portable auf ihren USB-Sticks installiert hatte und eine kurze Einführung in die Arbeit mit Gimp (Ebenen, Einrichten der Arbeitsfläche, Werkzeuge) durchgeführt habe konnten die Schüler in dieser Woche mit dem ersten Arbeitsauftrag zu einer Fotomontage starten. Ziel der Sequenz war es, dass die Schüler den Umgang mit GIMP, insbesondere die Arbeit mit 2-3 Bildebenen und das Freistellen / Zuschneiden von Bildinhalten mit verschiedenen Werkzeugen (Radierer, Magnetschere), erproben.

„Woman at the beach“


„Woman underwater“


„Die Frau am Vulkan“


„Die Frau am Regenwaldfenster“






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